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Das halvo-Projekt umfasst 116 Fundorte und 3355 Literaturverweise
Letztes Update: 28.03.2014
Quick-Link: 126
Nevali Çori
ANTIKER NAMEnicht bekannt
ALT. SCHREIBWEISENNevali Cori
UNGEF. LAGESüdosttürkei; inzwischen vom Atatürk Stausee überschwemmt, unterhalb des Dorfes Kantara in der Provins Sanliurfa
KOORDINATEN37°31'5.65" N 38°36'19.99" E | GoogleMaps
AUSGRABUNGENUniversität von Heidelberg und Sanliurfa haben in sieben Kampagnen 1983, 1985-87 und 1989-1991 dort gegraben
ZEITL. EINORDNUNGmittlere Stufe des PPNB (8600-8000); Halaf-Zeit; FBZ
BESCHREIBUNGDie Grabung konnte fünf frühneolithische Schichten unterscheiden (I bis V), die von Schichten der Halaf- und Frühbronzezeit überdeckt sind. Die Bebauung besteht aus Langrechteckbauten die ihren Eingang zum Tal ausgerichtet haben. Die Bauten gehören dem Grillplan-, Kanalhaus- und Zellplantyp an. Die Wohnspeicher besaßen wahrscheinlich ein nach außen überhängendes Dach, das von Pfosten gestützt wurde. Die Gebäude waren zwischen 4,5-6,2 und 11,3-18,2m groß und wurden zumindest in Level I-IV immer an derselben Stelle errichtet.

Level 1 liegt direkt auf dem gewachsenen Boden und erbrachte fünf Gebäude. Das am besten gegrabene Gebäude 21A war 11,30 x 4,50m groß und grob in zwei Teile geteilt. Unterhalb des Bodens fanden sich sechs Bestattungen, darunter auch einzelne Schädel. Die Gebäude des Level 1 gehörten dem Grillplan-Schema an.
An den Längstseiten des Hauses 25 fanden sich Steinbasen, die auf eine externe Stützung des Daches schließen lassen. In diesem Haus fand sich eine Bestattung mit fehlendem Kopf.
Aus Level 1 sind auch eine ganze Reihe von Feuergruben (45) bekannt, wie sich auch in Cafer Höyük und Çayönü gefunden wurden.

Level 2 konnte drei Häuser des Kanalplantyps aufzeigen, welche sich im Osten der Siedlung abgesezt von den anderen Gebäuden befanden. Auch hier fanden sich neben den Längstseiten zweier Häuser Steinbasen für Pfosten die das Dach stützen sollten. Im Westen der Siedlung befand sich das "Kultgebäude" 13B, welches eine quadratische Form aufweist und auf das später noch eingegangen wird. Auch in Level 2 fanden sich Dutzende von Feuergruben.

Level 3A ist am Besten untersucht. Im Südwesten der Siedlung fanden sich vier parallel zueinander gebaute Häuser. Abseites von diesen finden sich noch andere Gebäude ohne bestimmte Ausrichtung. Auch die Häuser des Level 3 gehören den Kanalplanbauten an. Das am besten dokumentierte Gebäude 2 war 15,60 x 6,15m groß und mehrfach unterteilt. Unterhalb des Bodens fanden sich 12 Bestattungen mit Schädeln und langen Knochen. Eine komplette Bestattung war dabei. Haus 6 schien eine Werkstatt gewesen zu sein, da Werkzeugfunde sowie ein Ofen dieses andeuten. Aus Level 3B fanden sich in einer Grube einige kleine Skulpturen und ein T-Kopf-Pfeiler, vielleicht eine Andeutung auf einen Bildhauer.
Die anderen Gebäude dieser Schicht wurden nur ungenügend untersucht und können, abgesehen von ihrer speziellen Ausrichtung, keinen weiteren Aufschluss geben.

Level 3B behält die Häuser im Süden bei und baut neue Gebäude in der Mitte der Siedlung. Offensichtlich befand sich hier nun ein rundes Gebäude (Round House 1), dass leider nur in Teilen erhalten geblieben ist. Haus 8 bildet nun eines der größten Gebäude in der Siedlung.

Level 4 ist nur in kleinen Teilen erhalten. Haus 4, das einzige erhaltene Gebäude, weist Pfeilerartige Konstruktionen auf und gehört ebenfalls zum Kanalplantyp.

Level 5 besitzt ebenfalls nur ein Gebäude, Haus 1. Es misst 10 x 6m und weist zum ersten Mal keine Kanäle auf. An einer Außenseite war eine bankartige Konstruktion angebracht. Dieser Haustyp wird nun der Zellplanphase zugeordnet.

Von der Wohnsiedlung abgesetzt befindet sich mindestens ab Level 2 ein quadratisches Steingebäude am Rande der Siedlung. Wegen seiner Ausstattung mit Terazzoboden, seinem Inventar mit Steinpfeilern und seiner umlaufenden Sitzbank, ist es als Kultbau zu deuten. Unterhalb der mit Steinplatten abgedeckten Bänke fanden sich Reste von Figurinen von Tieren und Menschen. Kleine T-Pfeiler unterbrachen die umlaufende Bank. Zwei weitere Bauphasen überlagern das Gebäude. In einer Nische konnte eine Statue aufgestellt werden. Die T-Pfeiler im Gebäude setzen die Tradition des Göbekli Tepe fort. Die Darstellung des Menschen auf diesen, ist hier aber neu. Ein Kalksteinkopf mit einer Schlange auf dem Hinterkopf stammt aus diesem Gebäude. Vielleicht gehörte dieser zu einer großen Kultstatue, die in die Nische des Gebäudes aufgestellt wurde.

Über 2.000 Pfeilspitzen konnten in Nevali Çori geborgen werden. Die berühmteste unter ihnen ist die Byblos-Spitze, die mit dem Nordsyrischen PPNB in Parallele gesetzt werden kann. Ugarit und Amuq Spitzen (typisch spät PPNB) wurden nicht gefunden, was darauf hindeutet, dass Nevali Çori vor dem Ende des PPNB aufgegeben wurde. Auf der anderen Seite deuten Helwan-Spitzen (PPNA in der Levante) einen Besiedlungsbeginn vor PPNB an. Sichelklingen weisen auf Erntetätigkeiten hin, was man aufgrund des sog. Sichelglanzes zu deuten versucht. Ab Level IV und V tauchen polierte Steinäxte auf. Keulenköpfe erscheinen ab Level III.

Einkorn bildet das häufigste kultivierte Pflanzengut. Danach folgt das zweikörnige Weizen. Gerste konnte nur in seiner wilden Form nachgewiesen werden. Linsen, Erbsen, Wicken und andere Hülsenfrüchte ergänzten das Narungsangebot. Auch gesammelte Pistazien, Mandeln und Trauben kamen hinzu. Die Bewohner von Nevali Çori hatten also schon eine fortgeschrittene agrikulturelle Ernährung. Dennoch fiel der Jagd weiterhin ein wichtiger Teil zu. Gazellen, Auerochsen, Wildeber, Rotwild, Wildschaf und Ziegen, sogar wilde Esel wurden gejagt. Schafe und Ziegen wurden aber auch domestiziert.

Eine genauere Datierung setzt Level 1 von Nevali Çori mit der Çayönü Subphase 2 (Grillplan-Gebäude) gleich. Radiocarbondaten setzen Level I/II zwischen 8.400 und 8.100 v. Chr. Es ist also möglich, dass Nevali Çori schon im PPNA begonnen hat (Mureybet IV A).
LITERATUR
-Hansen, S. 2007: Kleinkunst und Großplastik. In: Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.), Vor 12.000 Jahren in Anatolien. Die ältesten Monumente der Menschheit, 192-206.
-Hauptmann, H. 1988: Nevali Çori: Architektur, in: Anatolica 15, 99-110.
-Hauptmann, H. 1993: Nevali Çori: Eine Siedlung des Akeramischen Neolithikums am Mittleren Euphrat, in: NüBlA 8, 37-69.
-Hauptmann, H. 1993: Ein Kultgebäude in Nevali Çori. In: Frangipane, M. et al. (Hrsg.), Between the Rivers and Over the Mountains. Archaeologica Anatolica et Mesopotamica, 37-69.
-Lichter, C. 2007: Geschnitten oder am Stück? Totenritual und Leichenbehandlung im jungsteinzeitlichen Anatolien. In: Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.), Vor 12.000 Jahren in Anatolien. Die ältesten Monumente der Menschheit, 246-257.
-Morsch, M.G.F. 2002: Magic Figurines? Some Remarks About the Clay Objects of Nevali Çori. In: Gebel, H.G.K./Dahl Hermansen, B./Hoffmann Jensen, C. (Hrsg.), Magic Practices and Ritual in the Near Eastern Neolithic (=SENEPSE 8), 145-162.
-Schmidt, K: 1988: Nevali Çori. Zum Typenspektrum der Silexindustrie und der übrigen Kleinfunde, in: Anatolica 15, 161-202.
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